1 | Jung gegen Alt
Shownotes
Autorin & Regisseurin: Marie Tiemann Host: Johannes Nichelmann Kamera: Tobias Winkel Sound: Julius Hofstädter Schnitt: Marvin Leibold Grafik: Julian Krischker Fachberatung: Evelyn Wöldicke, Viktoria Bernadette Krieger (Liebermann-Villa am Wannsee) Produktion: Carsten Bartelt, Jenny Häschel, Beate Selchow Produzenten: Johanna Behre, Johannes Nichelmann Leitung: Carolin Stranz, Achim Klapp (Museum Barberini) Eine Produktion von nb Studios, im Auftrag des Museums Barberini Potsdam
Mehr Podcasts unter: museum-barberini.de/podcasts
Quellen: Literatur
- Aufzählungs-TextFaass, Martin (Hrsg.), Der Jesus-Skandal: ein Liebermann-Bild im Kreuzfeuer der Kritik, Berlin 2010.
- Aufzählungs-TextFaass, Martin, Max Liebermann, Köln 2017.
- Küster, Bernd, Auf den Spuren von Max Liebermann, Hamburg 2025.
- Ostwald, Hans, Das Liebermann Buch, Berlin 1930.
- Püschel, Walter, Immer Diskret! Anekdoten über Max Liebermann, Berlin 1987.
- Simon, Hermann (Hrsg.), Was vom Leben bleibt, sind Bilder und Geschichten : Max Liebermann zum 150. Geburtstag; Rekonstruktion der Gedächtnisausstellung des Berliner Jüdischen Museums von 1936, Berlin 1997.
Verwendete Fotos
- Photo Ortrud Westheider © Valerie Schmidt
- Photo Evelyn Wöldicke © Privat
- Abbildung Max Liebermann sitzend mit Zigarre, um 1930 © Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e.V., Foto: Grete Friedländer
- Verwendetes Audiomaterial/ Rundfunkaufnahme
- Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, „Der Maler Max Liebermann erzählt aus seinem Leben“, Archivnummer: 1632019
Abbildungen
- Max Liebermann: Der Biergarten von Brannenburg, 1893, Musée d’Orsay, Paris, © Abbildung: bpk/GrandPalaisRmn/Hervé Lewandowski
- Max Liebermann: Die Gänserupferinnen, 1871/1872, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Andres Kilger
- Max Liebermann: Judengasse in Amsterdam, 1909, Privatsammlung
- Fritz von Uhde: Der Leierkastenmann kommt, 1883, Hamburger Kunsthalle
Transkript anzeigen
00:00:00: Es ist einer dieser grauen, kalten Wintertage die typisch für Berlin sind.
00:00:05: Über Nacht ist Schnee gefallen und man kann sich die Sonne hinter dem grauen Grau der Wolken wirklich kaum vorstellen.
00:00:11: Wir befinden uns im Jahr nineteenhundert fünfunddreißig.
00:00:14: es ist ein Montag, es ist der elfte Februar.
00:00:17: Auf einem Friedhof in Berlin-Brenzlauer Berg wird der Maler Max Liebermann zugrabe getragen.
00:00:23: Nicht einmal einhundert Trauergäste sind gekommen, was ungewöhnlich ist.
00:00:26: Denn Liebermann ist in der Kultur- und Politikwelt Berlins extrem prominent!
00:00:31: Vor acht Jahren wurde er noch zum Ehrenbürger Berlins annannt – aber jetzt riskiert jeder, der an dieser Beerdigung teilnimmt auf Listen der geheimen Staatspolizei der Gestapo zu landen.
00:00:43: Sie überwacht offenbar die Beisetzungszeremonie.
00:00:46: Hallo mein Name ist Johannes Nichelmann ich bin Kulturjournalist und das hier ist der Fall Lieberman ein Videopodcast vom Museum Barberini in Potsdam.
00:00:54: Bei YouTube und auf Spotify könnt ihr nämlich auch sehen, dass ich hier im Museum Barbarini sitze unter anderem vorgemähdeten von Max Liebermann.
00:01:02: doch zu denen kommen wir später!
00:01:04: In vier Folgen erzählen wir euch die außergewöhnliche Lebensgeschichte des Künstlers Max Liebermann.
00:01:09: er war zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts eine der mächtigsten Figuren der deutschen Kunstwelt erst Maler und heute wurde man vielleicht sagen Kulturstrategie.
00:01:19: Doch mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten wird er aus dem öffentlichen Leben verdrängt.
00:01:24: Aber wie genau haben sie das geschafft, Menschen wie Max Liebermann Muntot zu machen?
00:01:29: Menschen die eigentlich angesehen und viel beachtet waren!
00:01:33: Das ist nicht von heute auf morgen passiert und es lohnt sich da genauer hinzuschauen.
00:01:37: Max Liebermanns Geschichte ist eine Geschichte von skandalumwitterten Gemälden, harte arbeiteten Erfolgen und Herbenrückschlägen.
00:01:46: Liebermann polarisiert sein ganzes Leben lang als Künstler, aber auch als Machtmensch.
00:01:51: Er rebelliert gegen autoritäre Strukturen und gleichzeitig erlebt man ihn auch als einer Art Hüter des Konservativen.
00:01:58: Seine Zeit ist eine Zeit der Umbrüche die immer wieder neue und alte Widersacher Liebermans auf den Plan rufen.
00:02:13: bis die Nationalsozialisten die Macht übernehmen.
00:02:18: In diesem Podcast schauen wir auf Max Liebermanns Biografie, auf sein Aufstieg und seinen Fall in vier Akten.
00:02:25: Es ist die Geschichte eines gefeierten Künstlers der am Ende davon ausgehen musste dass Sein Name und sein Lebenswerk den Tod nicht überdauern würden.
00:02:33: Die Nazis wollten das er vergessen wird.
00:02:36: Bis kurz vor seinem Tod ist Max Liebers Mann einer der mächtigsten und anerkanntesten Künstler Deutschlands.
00:02:42: Er hat die deutsche Kunst des XIX.
00:02:44: Jahrhunderts in die Moderne geführt, seine Werke gelten als bahnbrechend und lieber man als Vorreiter des Impressionismus.
00:02:51: Bekannt über die Grenzen hinaus – in Frankreich schaffte es mit einem Gemälde sogar drei Jahre vor den Mahlern des französischen Impressionismus in ein staatliches Museum.
00:03:00: Das ist damals wirklich unfassbar bemerkenswert!
00:03:03: Ein impressionistisches Bild des Ärztfeindes eines Deutschen.
00:03:07: Es geht um das Bild der Biergarten in Brandenburg.
00:03:10: Das hat der Achtzehnhundertdrehen neunzig gemalt.
00:03:13: Zu sehen ist ein strahlender Sommertag in einem bayerischen Biergarten.
00:03:17: Der Sonnenlicht bahnt sich seinen Weg durch die dichten Baumkronen, flirrendes Licht fällt auf das sommerliche Treiben im Biergaten, Gäste sitzen an Tischen eine Bedienung beahnt sich ihren Weg durch den Tisch rein Die Farben leuchten und die Pinselführungen sind leicht.
00:03:31: Das Bild ist einer atmosphärische Momentaufnahme eines schönen Tages.
00:03:35: In den letzten Jahren kauft der französische Staat dieses Gemälde, um es im wichtigen Musée de Luxembourg in Paris auszustellen.
00:03:43: Das Museum aber feiert impressionistische Kunst zu diesem Zeitpunkt eigentlich überhaupt nicht!
00:03:48: Dort wird in den letzten zehn Jahren in dem Jahr de L'Occitane des Grands Saint-Pierre-Denis schon sehr viel diskutiert, ob sie überhaupt Gemäle annehmen sollen, die heute in Frankreich als das allerhöchste Kulturgut angesehen werden – darunter Bilder von Claude Monet, Pierre Augustinois oder Edouard Manet.
00:04:03: Aber was ist Impressionismus eigentlich?
00:04:05: Was hat es damit auf sich, das habe ich Otto Westhalter gefragt.
00:04:08: Sie ist die Direktorin des Museums Barberini hier in Potsdam.
00:04:12: Impressionismus ist die Konzentration auf den Augenblick und wirklich im Bild einzufangen, die Lichtstimmung, die Situation wie sie in diesem Moment sich dem Auge darbietet.
00:04:23: Und das war so revolutionär weil es zum ersten Mal Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit gab sich selbst zu zeigen, in dem was man sieht, den eigenen Urteil zu vertrauen und sich das rauszunehmen.
00:04:38: Dass das nun bildwürdig ist, was man selber
00:04:41: sieht.".
00:04:41: Also keine glatten Porträts mehr von Herrschenden oder Gemälde, von denen wir heute sagen würden die sehen aus wie perfekte Fotografien.
00:04:49: Das war damals eine vollkommen neue Sichtweise auf Kunst.
00:04:53: Es dauert ziemlich lange bis der Impressionismus von der Gesellschaft akzeptiert wird.
00:04:58: Das Musee de Luxembourg wird sich erst nach über drei Jahren Diskussion dazu durchringen, die Bilder des französischen Impressionismus offiziell anzuerkennen.
00:05:06: Eine Ehre, die Max Liebermann da schon zuteil geworden ist – er hat einen großen Namen!
00:05:12: Es ist also überhaupt keine Übertreibung wenn Liebermanns Biograph von Weggefährte Karl Schäffler in den letzten Jahren an dessen Grab sagt sie würden mit Lieberman nicht nur einen großen Künstler zu Grabe tragen sondern eine ganze Zeit.
00:05:27: Er war der symbolische Mensch einer Epoche.
00:05:31: Liebermann ist modern und er mischt damit den Kulturbetrieb im Kaiserreich auf.
00:05:37: Wie er das macht, darüber habe ich mit Evelyn Wöldicke gesprochen.
00:05:40: Sie ist die Direktorin der Liebermann-Willer am Berliner
00:05:43: Wandensee.".
00:05:44: Wenn wir uns vorstellen damals malte man als angesehene Kunstschlachten-Szenen Kriegsdarstellungen, mythologische Szenen, biblische Szene in riesigen Formaten.
00:05:56: Und was macht Max Liebermann?
00:05:57: Er interessiert sich für arbeitende Menschen, einfache Menschen, Menschen die in armen Verhältnissen leben.
00:06:05: Das ist für uns heute unvorstellbar.
00:06:07: dass die Darstellung eines Schusters ein Skandal war.
00:06:11: aber das war es.
00:06:12: Für Skandale sorgen aber nicht nur seine Bildmotive, auch die Art und Weise wie er seine Malkunst ständig weiterentwickelt.
00:06:18: Er wird vom Realisten zum wichtigsten Wegbereiter des Impressionismus in Deutschland.
00:06:23: Seine Kunst ist für seine Zeitgenossen ein Frontalangriff auf die idealisierende Darstellung von Leben im Kaiserreich.
00:06:30: Und warum das so provoziert hat, hat mir Orte Westheider erklärt
00:06:33: Das war die große Phase der Lichtmalerei, die eben auf die kaiserliche Kunstpolitik traf.
00:06:41: Dagegen angegangen ist und wirklich eine ganz moderne neue Form der Kunst gebracht hat.
00:06:47: Viele Künstlerinnen und Künstlern haben sich ihm angeschlossen um das zu malen was sie sahen.
00:06:53: Es war eine Revolution gegen alles was man bis dahin kannte.
00:06:57: Dafür gibt es natürlich nicht von allen Seiten Applaus.
00:06:59: immer wieder wird ziemlich abfällig von Liebermann und seiner Kunst gesprochen.
00:07:03: Der deutsche Kaiser und König von Preußen persönlich, Wilhelm
00:07:07: II.,
00:07:08: findet das Liebermann ein Anarchist ist.
00:07:10: Was vermute ich die schlimmste Beleidigung aus dem Munde des Hochadels sein dürfte?
00:07:15: Er sagte Liebermans Werke seien Rindstein-Kunst!
00:07:19: Also, wer war der Künstler, der das Establishment so massiv herausgefordert hat?
00:07:24: Was für ein Mensch war Max Liebermann, der gegen alle Widerstände zum einfachsten Künstlern seiner Zeit aufstieg.
00:07:30: und warum musste er am Ende trotzdem stürzen.
00:07:33: In dieser Folge öffnen wir Akte eins des Fall-Liebermann.
00:07:38: Der Titel Jung gegen Alt.
00:07:41: Max Liebers Mann wird am zwanzigsten Juli, eighteenhundert siebenundvierzig in Berlin geboren.
00:07:47: Er stammt aus einer jüdischen Familie.
00:07:49: Seine Familie ist ein parade Beispiel für den Aufstieg des Bürgertums während der industriellen Revolution, also derzeit in der die großen Fabriken entstanden nur das extrem schnell zu technischem Fortschritt kamen.
00:08:01: Sein Großvater und sein Vater hatten im Tuchhandel einen Millionvermögen gemacht.
00:08:07: Dementsprechend residiert die Familie auch Die Adresse der Pariser Platz Nummer sieben feiner als die Liebermanns kann man in Berlin der Kaiserzeit wohl nicht wohnen, nämlich direkt am Ende der Prachtstraße unter den Linden an deren anderem Ende das Schloss des deutschen Kaisers steht.
00:08:24: Ganz in der Nähe von Berlins schönstem Park dem großen Tiergarten.
00:08:28: und jetzt kommt es direkt am Brandenburger Tor oder wie Liebermann gesagt haben soll wenn sie nach Berlin reinkommen gleich links.
00:08:36: Im strengen Hause Liebermann herrschen Enthaltsamkeit und das Leistungsprinzip.
00:08:41: bei der Erziehung setzt der Vater auf preußische Prinzipien.
00:08:44: Das prägt Max Liebermann natürlich sein ganzes Leben lang bis ins hohe Alter.
00:08:49: Als er achtzig Jahre alt ist, besucht ihn der Schriftsteller Hans Ostwald und der es beeindruckt vom Hohen Arbeitspensum Liebermans.
00:08:55: Er schreibt... Das ist kein Wunder, das ist preußisch.
00:09:16: Das ist preussisch mit Nachdruck zweimal
00:09:18: preußig.".
00:09:19: Was er aus seinem Elternhaus aber nicht mitgenommen hat – ist das Interesse an kaufmännischen Dingen.
00:09:25: Schon früh ist klar Max wird nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten.
00:09:28: Ausgerechnet Mathematik ist sein schlechtes Fach.
00:09:33: Statt dem Unterricht aufzupassen zeichnet er lieber die Lehrer in seinen Rechenheft und dementsprechend hatte auch großen Bammel vor den Zeugnissen am Schuljahresende.
00:09:42: Davon hat er, neunzehnunddreißig mal in einem Radiointerview erzählt.
00:09:47: Das was ihr jetzt hört ist die echte Stimme von Max Liebermann
00:09:57: der in der Mitte des öffne Fensters stand.
00:10:20: Plötzlich muss ein Windstoß gekommen sein, der die Zensur erfasste und zum Fenster hinausfete.
00:10:31: Als ich das meinem Vater erzählte, guckte er mich ein bisschen komisch an, denn er traute dem Frieden doch nicht so recht!
00:10:45: Aber was half das alles?
00:10:50: Doch auch verschwundene Zeugnisse können niemanden darüber hinwegtäuschen.
00:10:54: Die Interessen und Talente des jungen Liebermann liegen nicht in den Naturwissenschaften, wovon seine Familie wenig begeistert ist.
00:11:02: Als er zwölf Jahre alt ist verbietet ihm sein Vater Zeichnungen in einer Berliner Illustrierten unter dem Namen Lieberman zu veröffentlichen.
00:11:09: Sein Vater hat Angst um den Ruf der Familie.
00:11:12: Der Schriftsteller Hans Ostwald schreibt dass es große Gegensätze zwischen Liebermann und seiner Familie gab.
00:11:19: Mehr als sonst bei Künstlern, die ja meist aus einfachen Familien zum Künstlatum emporstiegen.
00:11:24: Es wäre falsch zu glauben der Weg sei ihm leicht geworden.
00:11:27: auch seine Kindheit war nicht eitel Sonnenschein.
00:11:30: Es war sicher ein Glück das er sich manchmal mit einem guten Witz über den Druck hinaushelfen konnte.
00:11:36: vielleicht förderte der Druck auch seine Witzigkeit.
00:11:39: Als Lieberman fünfzehn Jahre alt ist passiert etwas was in sein Leben lang prägen wird.
00:11:44: Seine Mutter, Philippine.
00:11:46: Liebermann lässt sich – das war damals ganz normal standesgemäß – von der Malerin Antoni Volkmar porträtieren.
00:11:53: So ein Max darf sie zu den Sitzungen begleiten!
00:11:56: Lieber Mann erinnert sich daran so...
00:11:58: Ich ging oft
00:11:59: mit
00:12:00: und konnte dann im Atelier damit zusehen wie meine Mutter gemalt wurde.
00:12:08: Eines Tages wurde mir die Sache zu langfällig, sodass ich anfing
00:12:13: auch
00:12:14: meine Mutter zu zeichnen, als frohle Erfolg war.
00:12:18: Mein Werk sah, was sie richtig
00:12:21: erstaunt.".
00:12:23: Angeregt von der Malerin erlauben Liebermanns Eltern das Max von nun an zweimal die Woche Zeichenunterricht nehmen darf neben dem Reit- und Tanzunterricht.
00:12:31: Was daraus folgt ist für die Eltern aber wirklich nur schwer auszuhalten denn jetzt möchte Max Maler werden.
00:12:38: Als ich dann in die Oberseekunde kam Also das Zeugnis für den einjährigen Militärdienst hatte, sagte ich meinem Vater, dass sich Maler werden wollte.
00:12:53: Dagehen hat er nichts einzuwenden aber erst sollte ich das Amidurienten-Examen bestanden haben.
00:13:02: Mein Vater dachte sich wohl auch, dass ich dann vielleicht vernünftig geworden sein würde und dann lieber statt... des unsicheren Künstlerberufes, des vielsicheren kunstwissenschaftlich praktischen Beruf des Chemikers wählen würde.
00:13:22: Max Liebermann macht ein Abitur beginnt ein Chemiestudium fliegt dort raus weil er so gut wie nie anwesend ist und darf dann endlich das machen worauf er Lust hat.
00:13:31: Er darf Malerei studieren in Weimar.
00:13:34: Warum seine Eltern davon trotz des Talents ihres Sohnes nicht begeistert sind?
00:13:38: Hat mir Lieberman-Expertin Evelyn Wöldeke erzählt.
00:13:41: Man muss sich vor Augen führen, aus was er in der Welt kam.
00:13:44: Wir sind im gehobenen jüdischen Großbürgertum eine Kaufmannsfamilie.
00:13:49: Es war Tradition, dass selbstverständlich die Söhne in das Geschäft des Vaters einsteigen.
00:13:54: Jetzt will der Junge nicht!
00:13:55: Natürlich war man unglücklich.
00:13:58: Das war ... Nicht fein.
00:14:00: Nicht ordentlich zu malen.
00:14:03: Görte sich nicht.
00:14:04: Wenn es ums Malen geht ist Max ehrgeizig.
00:14:07: Er will es seinen Eltern und der Welt beweisen.
00:14:09: Doch die Anerkennung seines Talents durch seinen Lehrer an der Weimarer Kunstschule bleibt lange aus.
00:14:15: Resigniert schreibt er an sein jüngeren Bruder Felix im April, ein Brief erschreibt... Nach vier Jahren Kunststudium beschließt er mit seinem ersten großen Gemälde an die Öffentlichkeit zu gehen.
00:14:45: Der Link zur Öffentlichkeit, das sind so damalige Zeit meist von den staatlichen Kunstakademien organisierte Ausstellungen.
00:14:51: Da gibt es eine strenge Jury, die über strenne Auswahlkriterien wacht.
00:14:56: Diese Salons und damals wichtige gesellschaftliche Events Vielleicht wenn man so will dass visuelle Massenmedium des neunzehnten Jahrhunderts Sie präsentieren und prägen den Zeitgeist gleichermaßen.
00:15:07: Wer als maler Karriere machen will, der muss hier ausstellen!
00:15:11: Denn hier treffen Werk- und Künstler nicht allein auf Publikum sondern auch auf Kunsthändler, auf Kunstkritiker – und natürlich auch auf potenzielle Käufer.
00:15:32: Und schon bevor das Bild fertig wird, entlässt ihn sein Lehrer ein Weimar mit den Worten, dass er ihm nun wirklich nichts mehr beibringt könne.
00:15:40: In einem Brief aus diesen Tagen schreibt Liebermann, dass es ihm sehr angenehm sei, aus dessen Zucht, wie er sagt, entlassen worden zu sein.
00:15:48: Sein Bild aber sei noch nicht über den Berg – er schreibt da das Tuget des Thema gedanklich gleich null ist und alles der Malerei untergeordnet so kann ich mich dann nur auf mein gutes Gewissen verlassen Und wenn das Bild fertig ist, möge mir all mein Heil beistehen.
00:16:05: Vielleicht ahnt er schon dass es bei diesem Bild noch Ärger geben würde?
00:16:10: Die Gänse Rupferin zeigt eine Gruppe alter Bäuerinnen die in einer dunklen wenig einladenden Scheune gänse rupfen.
00:16:18: Ein kleines Fenster ist die einzige Lichtquelle.
00:16:21: Der braune Bretterboden ist mit Gänsefedern bedeckt und in den angespannten Gesichtern der Frauen sieht man die Anstrengung, wie das monotone Ausreißen der Gänzefedern für sie bedeutet.
00:16:32: Ein wertiger Mann tritt in die Runde bringt noch mehr Gänße und wir können ganz klar sehen – Die Arbeit der Frauen ist eine troßlose Routine!
00:16:40: Warum das für die damalige Zeit so ein No-Go ist hat mir Evelyn Wöldicke von der Liebermann-Willer am Wannsee erklärt.
00:16:47: Der Themenkanon war extrem eng festgelegt, was darf man darstellen?
00:16:52: Und auch welche Darstellung ist wie viel wert.
00:16:55: Es gab eine richtige Abschufungskala, dass die Historien gemälde Mehrwert sind als Landschaften und mehr Wert als Porträts- und arbeitende Menschen stehen ganz unten von ganz unten.
00:17:11: Es kommt also zum Eklat.
00:17:12: Emport schreibt die Zeitschrift für bildende Kunst von einem gemälde Zitat, worin die abschreckendste Hässlichkeit in unverhüllte Abscheulichkeit
00:17:21: thront.".
00:17:22: Eine andere Zeitung schreibt diesen komplizierten Satzachtungen das Aufsuchen.
00:17:46: Also das Gemälde entspricht ganz und gar nicht dem Geschmack dieser Leute, denn es stellt die idealistische Kunstauffassung dieser Zeit radikal in Frage.
00:17:54: Statt eines erhabenden Historien oder Marien gemeldestes Beflügen und gute Laune verbreiten soll, zeigt lieber Mann wie die Realität im Kaiserreich wirklich aussieht.
00:18:04: Nämlich hart und brutal!
00:18:06: Er zeigt den mühsamen Arbeitsalltag der unteren Gesellschaftsschicht – was der er selbst hier aber gar nicht kommt.
00:18:12: Was hat ihn also dorthin gezogen?
00:18:13: Warum malt er
00:18:14: das?!
00:18:15: Das wollte ich von Eveline Wöldicke wissen...
00:18:17: Er war zu dem Zeitpunkt ein junger Mann.
00:18:19: Er war auf der Kunsthochschule, er hat sich damit beschäftigt was aktuell in der Kunst los ist und in diesem Zuge ist er einfach auf neue Bildthemen gestoßen.
00:18:31: Und das war eben auch das Thema der arbeitenden Menschen aus dem Thema der Armenmenschen.
00:18:38: Das war für ihn natürlich eine komplett neue Welt die eher als Sehr gut bürgerliches Kind nicht kannte.
00:18:45: Da war bestimmt auch die Faszination des anderen da, das Fremden?
00:18:49: Liebermann wird später sagen, Die gut gemalte Rübe ist ebenso gut wie die gut gemahlte Madonna.
00:18:55: Aber für diesen Gedanken Ist die Welt da noch nicht bereit.
00:18:59: Trotzdem der Skandal gibt dem Künstler recht.
00:19:03: Das Gemälde ist für Lieberman ein unerwarteter Erfolg.
00:19:06: Er nimmt den Eklat also gelassen Denn technisch überzeugt das Gemäle Auch die härtesten Kritiker.
00:19:12: Er kann es sofort verkaufen.
00:19:14: Einer der angesehensten Maler jener Zeit, Adolf Menzel Professor an der Königlichen Akademie der Künste und als Realist wirklich ein großes Vorbild für Liebermann findet das Talent des XXV-Jährigen so bemerkenswert dass er ihn kennenlernen möchte und zu sich zitiert.
00:19:29: Über ihre erste Begegnung berichtet Lieberman später wie er sich hoch erfreut zum Menzel aufgemacht habe um aus dessen Munde zu hören was er über seine Arbeit denke.
00:19:38: Also, Liebermann kommt an.
00:19:40: Menzel öffnet die Tür, mustert Lieberman und fragt Was wollen sie?
00:19:45: Wer sind Sie?
00:19:47: Und als sich Lieber Mann daraufhin Als der Maler der Gänse-Rupferin vorstellt, sagt Menzel, was?
00:19:52: Sie sind der Malern dieses Bildes.
00:19:55: Wissen Sie, was ich Ihnen sagen muss?
00:19:57: Ihr Vater sollte ihnen die Hosen vollklopfen Von wegen des Bildes Denn so etwas malt man mit Fünfzig Jahren Nicht aber in ihrem Alter.
00:20:05: Das war vermutlich nicht exakt das Kompliment dass er sich vom großen Maler abholen wollte.
00:20:11: Aber auch das ist ein Erfolg, denn einer der größten Maler seiner Zeit kennt jetzt Liebermanns Namen!
00:20:18: Doch die Lehrjahre sind damit längst nicht vorbei – über ein Jahrzehnt wird es dauern bis er wieder in seine Heimat Berlin zurückkennen wird.
00:20:27: Dezember, eighteenhundertdreihen siebzig von Weimar geht's nach Paris.
00:20:31: Paris ist damals die führende Kulturmetropole Europas.
00:20:35: für einen Deutschen allerdings ist es ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, um dorthin zu gehen.
00:20:40: Denn vor gerade einmal zwei Jahren ist der blutige deutsch-französische Krieg zu Ende gegangen.
00:20:45: Liebermann ist inzwischen sechsundzwanzig und will sich auch durch nationalistische Ressentiments nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen, ein großer Maler zu werden.
00:20:54: Er bezieht eine Wohnung im Pariser Künstlerviertel Montmartre, um im Louvre gemälde Altermeister wie Rembrandt und Franz Hals zu kopieren.
00:21:03: Und er will nach Barbizon eine berühmten Künstlerdorf südlich von Paris, für viele ein Sehnsuchtsort.
00:21:09: Mitte des neunzehnten Jahrhunderts hatte sich hier um den Maler Jean-François Millet einen Kreis von Künstlerin und Künstlern gebildet die sich von der Historienmalerei und eben diesen ganzen klassischen Bildthemen abwenden.
00:21:21: Die Schule von Barbizon bedeutet anstatt auf Schlachtenbilder religiöse oder mythologische Themen setzen sie hier auf realistische Naturdarstellungen und auf Freiluftmalerei.
00:21:33: Sie zielen mit Staffellei und Palette in die Natur hinaus, um bei natürlichem Licht Landschaften zu malen.
00:21:39: Unter freiem Himmel fertigen sie ihre Skizzen an – und im Atelier entstehen dann die Werke.
00:21:45: Max Liebermann ist überglücklich!
00:21:47: Ihm gelingt es sein großes Idol Genfros family kurz vor dessen Tod zu sehen.
00:21:53: Allerdings nur von Weitem, denn Milé will ihn nicht kennenlernen.
00:21:57: Warum?
00:21:58: Das habe ich Eveline Wöldicke
00:21:59: gefragt.".
00:22:00: Der lehnt das ab, weil er Deutscher ist.
00:22:02: Das ist ein Herberrückschlag für ihn.
00:22:04: Er hat keinen Zugang zu dieser Gruppe, um in direkten Austausch zu treten.
00:22:09: Liebermann bleibt trotzdem in Paris und setzt sich mit der Kunst auseinander.
00:22:15: Er wählt den Weg über die Bilder.
00:22:19: Er reist nach Barbizon, schaut sich an, wo diese Gemälde entstanden sind.
00:22:23: Aber er hat aufgrund der Tatsache, dass er Deutsche ist kein direkten Zugang.
00:22:28: Auch die Pariser Künstlerkreise bleiben Liebermann weitgehend verschlossen.
00:22:32: Die Niederlage der Franzose im Kriegsorg dafür, dass er als Deutscher einfach einen schlechten Stand hat.
00:22:38: Lieberman selbst war als Sanitäter im Krieg.
00:22:41: Er hat an der Front so schlimme Dinge erlebt, das seine anfängliche Begeisterung für den Krieg schnell verflogen ist wie bei so vielen Männern seiner Generation.
00:22:49: Frankreich bleibt für Liebermann ein Leben lang der entscheidende kulturelle Anziehungspunkt.
00:22:54: In Paris wird er trotz der Ablehnung seine ersten großen künstlerischen Erfolge feiern und regelmäßig im wichtigen Pariser Salon ausstellen, also der Ausstellung die für Kunstschaffende wichtig ist um überhaupt gesehen zu werden.
00:23:07: Liebermann wird auch der erste deutsche Künstler sein, der nach dem deutsch-französischen Krieg zum Mitglied der Société de Boussard und zum Ritter der französische Ehrenregion annannt wird.
00:23:17: Bevor es dazu kommt passiert aber etwas ganz anderes.
00:23:20: Zwischen dem Fifzehnten April und dem Fünfzehnte Mai, eighteenhundert-vierundsiebzig findet in Paris ein historisches Ereignis statt.
00:23:27: Die erste gemeinsame Ausstellung der französischen Impressionistinnen und Impressionisten.
00:23:32: Organisiert haben es die Kunstschaffenden selbst – darunter Leute, die auch Liebermannswerk stark beeinflussen werden wie Claude Monet, Alfred Cisley oder Camille Pissarro.
00:23:42: Was ein bisschen ironisch ist bei der Sache.
00:23:45: Lieber Mann, der einmal als einer der größten Impressionisten Deutschlands gefeiert werden wird hat diese Ausstellung vermutlich überhaupt nicht gesehen.
00:23:53: Obwohl er in der Stadt war.
00:23:55: Aber auf seiner Staffelei in seinem Pariser Atelier stehen vor allem Gemälde mit holländischen Motiven.
00:24:00: Holland das ist wie lieber man sagt seine Mahlheimat.
00:24:05: Ab eighteenhundert siebzig verbringt ja dort seine Sommermonate bringt von seinen Reisenskizzen und Studien mit, die er teils erst Jahre später zu Gemälden ausarbeitet.
00:24:15: Liebermann verliebt sich in das spezielle Licht des Landes – alles scheint wie im Licht- und Luftgebadet schreibt er!
00:24:22: Er malt die ländliche Arbeitswelt oder den Alltag in Amsterdam.
00:24:26: Er hält das geschäftige Treiben im Judenviertel, merkte und Straßenszähn fest, besucht Weisenhäuser oder Altenheime.
00:24:34: Aber von Paris geht es nicht nach Amsterdam sondern nach München damals auch ein aufstrebendes Kunstzentrum in Europa.
00:24:40: Inspiriert von einer Synagoge in Holland beginnt Liebermann mit der Arbeit an einem Gemälde, das den wohl größten Skandal in seinem Leben nach sich ziehen wird.
00:24:49: Es wird Lieberman zur Zielschreibe von regelrechten Hastieraden machen.
00:24:53: Was also ist passiert?
00:24:55: Am neunzehnten Juli, achtzehnhundertneunundsiebzig wird in München die zweite internationale Kunstausstellung eröffnet.
00:25:02: Viele Ehrengäste kommen an diesem Tag in den eigens für Kunstausstellungen gebauten Glaspalast.
00:25:06: Das prachtvoll gestaltete Ausstellungshaus ist mit einem brunnen, aufwändigen Gloom gestecken wertvollen Teppichen und Skulpturen bestückt.
00:25:14: Unter den Gästen ist eigentlich jede Person die im Königreich Rang und Namen hat.
00:25:18: Bayerische Minister, die Mitglieder des diplomatischen Kurs, Mitglieder das Landtags, die Spitzen der Oberen Hof- und Landesstellen – alle in Uniform!
00:25:27: Es isst eine feine
00:25:28: Gesellschaft.".
00:25:30: Das Ereignis geht durch alle regionalen und überregionalen Tageszeitungen des Deutschen Reiches, denn das hier ist der ehrgeizige Versuch Münchens mit den großen Weltausstellungen in Paris und London mitzuhalten.
00:25:42: Schauen wir mal in den Saal Nummer vier des Münchner Glaspalastes – dort hängt Liebermanns Bild vom zwölfjährigen Jesus im Tempel!
00:25:50: Es ist sein erstes religiöses Gemälde.
00:25:52: Das Bildmotiv ist nicht neu.
00:25:54: die abgebildete Szene stammt aus dem neuen Testament.
00:25:58: Jesus erklärt Gelehrten in einem Tempel die Heilige Schrift.
00:26:01: Schon viele Maler haben vor Liebermann die biblische Geschichte in ein Gemälde verwandelt.
00:26:06: Lieber Mann aber interpretiert die Szene radikal neu, indem er sie in seine realistische Bildsprache übersetzt und seine Gegenwart holt.
00:26:15: Von dem Gemälden wie es damals dort hängt ist heute nur noch einen Entwurf erhalten.
00:26:20: Er zeigt Jesus als einfachen jüdischen Straßenjungen mit Schläfenlocken.
00:26:24: Er steht nicht in einem Tempel, sondern in einer schlichten Synagoge und mehr noch.
00:26:29: Liebermann verzichtet auf antik-anmutende Gewänder wie sie damals in der Malerei üblich sind.
00:26:34: Jesus steht mit bloßen Füßen angeregstikulierend vor den Schrift gelernten.
00:26:40: Diese tragen den Talit, den Gebetschalen religiöser Juden.
00:26:43: Noch am Eröffnungstag kommt deswegen das Bildes zu mir klar.
00:26:46: Der Prinz Regent und die königliche Familie zeigen sich wenig angetan von Liebermans Bild Genauso wie wohl die meisten der konservativen Gäste.
00:26:55: Liebermanns Biografen berichten, dass Gemälde sei daraufhin umgehängt worden.
00:27:00: Sieben Jahre nach seinem ersten großen Skandal um die Gänse rupferinnen steht Lieber Mann wieder mit einem seiner Bilder massiv in der Kritik – dieses Mal aber weitaus schlimmer und härter!
00:27:11: Lieber Man zeigt hier eine völlig von idealen befreite realistische Darstellung verbunden mit einem christlichen Bildmotiv.
00:27:18: Für die wütenden Kritikerinnen und Kritiker steht hier also nicht nur das Schöne-und-Wahre auf dem Spiel, sondern die christliche Religion selbst.
00:27:27: In den konservativen Kreisen jener Zeit wird das Liebermann postwendend als Blasphemie ausgelegt – es brass in viele gnadenlose Presseartikel auf dem Zwarren dreißigjährigen Lieder.
00:27:36: Er wird als Stimpern- und Schmutzmaler beschimpft….
00:27:40: aber dazu kommt noch was ganz anderes!
00:27:42: Es ist längst nicht nur der Maler Lieberman, der hier am Pranger steht... ...es ist der Jude
00:27:47: Liebaman."
00:27:48: der es gewagt habe, Zitat aus einer Kritik, Christlichen Mitbürgern solche Verhöhnung ihres Heilands öffentlich ins Gesicht zu schleudern.
00:27:57: So sah zum Beispiel ja damals angesehene Kunstkritiker Friedrich Pecht durch Liebermanns realistische Darstellung jedes christlich religiöse Gefühl nicht nur unmöglich gemacht sondern auch verletzt.
00:28:09: Daraufhin folgt ganz deutlich Antisemitismus.
00:28:13: Er beschreibt Liebermans Jesus als hässlich naseweis und die orthodoxen gydischen Gelehrten im Bild unter anderem als schmieriges Pack, und assoziiert mit ihnen sämtliche negative Zuschreibungen vom listigen betrügenden Juden.
00:28:27: Das ist Antisemitismus pur!
00:28:30: Der ist tief in der willhelminischen Gesellschaft des Kaiserreiches verankert.
00:28:35: Es lässt sich ein Muster erkennen dass sich in Liebermanns Biografie bis zu seinem Tode durchziehen wird.
00:28:41: Kunst wird nicht nach Können beurteilt, sondern nach Loyalität zu einem vom zeitgeist diktierten Ideal und nach religiöser Zugehörigkeit.
00:28:50: In der Hetze der Kritiker und Kommentatoren zeigt sich der Skandal im Skandal.
00:28:55: Selbstbewusst und selbstverständlich wird Jesus als Jude unter Juden gezeigt von einem Judengemalt.
00:29:00: Damals werden die Stimmen lauter dass sie im Kaiserreich rechtlich gleichgestellten Juden sich zu assimilieren hätten.
00:29:06: das heißt Sie sollen ihr Judentum aufgeben.
00:29:09: Dazu der Autor des Buches, die Entscheidung Deutschland.
00:29:16: Das ist ein besonders widerlicher sehr moderner Antisemitismus.
00:29:22: Den gibt es schon Anfang des neunzehnten Jahrhunderts.
00:29:25: Der kommt jetzt wieder hoch.
00:29:26: Warum kommt er wieder hoch?
00:29:28: Weil mit dem Gründer Krach es zu unmaler wirtschaftlicher Verunsicherung kommt dann zur Politikwechsel Bismarcks und wie im Grunde frühes Ende des Liberalismus
00:29:42: erleben.
00:29:43: Was der Antisemitismus tut, ist ja dass er so ein Grundunbehaken an einer Gesellschaft in der alles anders wird und dauernder Wechsel zur Normalität wird artikuliert und dann auf eine bestimmte Gruppe projiziert.
00:30:01: Das hat aber mit dem was die Juden machen nichts zu tun.
00:30:06: Die fallen nur mehr auf als früher weil sie Das hat lang genug gedauert, gleiche Bürgerrechte wie andere bekommen.
00:30:17: Ja und wie geht's Liebermann in dieser ganzen Debatte?
00:30:19: Die Aufregung um das Bild trifft den ehrgeizigen Künstler vollkommen unvorbereitet!
00:30:24: Wie er reagieren wird erfahrt ihn der zweiten Folge von Der Fall Liebermanne.
00:30:29: Alle Episoden hörte überall wo es Podcast gibt bei Spotify und YouTube auch als Videopodcast.
00:30:34: Wenn euch die Folge gefallen hat dann gebt uns bitte fünf Sterne und erzählt auch anderen davon.
00:30:39: Vielen Dank.
00:30:40: Diesen Podcast hat Marie Thiemann geschrieben.
00:30:43: Wir danken dem Team der Liebermann-Wille am Wannsee für die großartige Unterstützung und alle Credits findet ihr in den Shownotes!
00:30:49: Der Fall Lieberman ist eine Produktion von NB Studios im Auftrag des Museums Barberini.
00:30:54: Mehr Podcasts vom Museum Barberinni findet ihr auf museum-barberini.de.
00:31:00: Bis zur nächsten Folge.
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